Tap Takeover oder – in etwas sperrigerem Deutsch – Zapfhahnübernahme im Craftbeer Corner Coeln. Diesmal mit der Uiltje Brewing Company, deren Biere ihr sonst vor allem in der Uiltje Bar in Haarlem bekommt. Insgesamt mehr als 400 Biere haben die Niederländer in ihrem Programm. Kelvin Ebbinge, Co-Founder der Uiltje Brouwerij, hat 13 davon mitgebracht. 12 werden frisch gezapft und ein Flaschenbier-Special hat er auch im Gepäck. Ab Freitag, 14. Juni 2017, könnt und solltet ihr euch von den exzellenten Gastbieren selbst überzeugen. Die Uiltje-Biere gibt es, solange der Vorrat reicht.

Uiltje und Craftbeer Corner Coeln Logo

Spannende Kombi – Uiltje und Craftbeer Corner Coeln

Tap Takeover Durch die Uiltje-Brauerei: Tasting Runde 1

10 der 13 Uiltje-Biere haben wir bei unserem Tasting zusammen mit Kevin und Migge, einem der Inhaber des Craftbeer Corner Coeln, probiert. Um es vorwegzunehmen: Die Uiltje-Brauer haben uns mit ihren Bieren voll und ganz überzeugt. Im Gespräch mit Kelvin wurde uns einmal mehr klar, wie aufregend und innovativ die holländische Craftbier-Szene ist. Wenn ihr künftig in einem Taphouse oder einem Getränkemarkt Uiltje-Biere seht, geht auf keinen Fall dran vorbei. Aber eins nach dem anderen.

Cry Baby Sour – Dry Hopped Berliner Weisse

Los geht es mit einer kaltgehopften Berliner Weisse. Das saure Bier hat lediglich 2,4 % Alkohol und ist eine perfekte Sommererfrischung. Im Lagertank wird dem Bier ordentlich Hallertauer Hopfen beigefügt, der dem Bier ein ausgewogenes Aroma von Passionsfrüchten beschert. Migge erzählt, dass Hopfen bei Sauerbierrezepturen eigentlich keine große Rolle spiele. Aber im Fall des Cry Baby Sour haben die Uiltje-Brauer experimentiert und ein echt leckeres Bier hergestellt. Während Stefanie ja bisher vor allem auf das Polyamorie von Oedipus Brewing schwörte, liegt für sie das Cry Baby Sour nun ganz weit vorne. Für mich ist es der klare Favorit unter den bisher verkosteten Sauerbieren. Sehr zu empfehlen.

Jens Migge Kevin Craftbeer Corner Coeln

Jens, Migge und Kelvin (v. l. n. r.) beim Tasting

Mr. Feathers – Hoppy Red Ale

Mit dem Mr. Feathers Red Ale haben wir als nächstes – wenn man so will – ein typisches Uiltje-Bier im Glas, hopfig im Antrunk und leicht malzig im Abgang. Charakteristisch für die Eulen-Biere ist das häufig intensive Hopfenaroma, schwärmt Migge. Beim Bierstil Red Ale werden keine gerösteten sondern dunkle Malze verwendet. Sie geben dem Bier die rötliche Färbung. Die Zitrusnoten der enthaltenen Citra- und Chinook-Hopfen sind hier deutlich zu schmecken. Mit 4,9 % Alkohol ein rundum gefälliges Bier, mit dem man gut einen Abend bestreiten kann.

Peat The Scotchman – Reated & Smoked Scotch Ale

Jetzt ist die nächste Besonderheit an der Reihe: ein Scotch Ale mit deutlichen Raucharomen. Überrascht sind wir, dass das Raucharoma deutlich stärker in die Nase steigt, als man es letztlich im Mund schmeckt. Im Abgang sind dann auch fruchtig, beerige Noten vorhanden. Ein leichtes ursprünglich whiskytypisches Torfaroma (engl. Peat) ist auch auszumachen. Geschmacklich ist das Peat the Scotchman (6,2 % alc.) ein angenehm leichter Vertreter der Gattung Rauchbier. Bei weitem nicht so intensiv wie das Traditionsbier Aecht Schlenkerla aus Bamberg, bei dem man den Eindruck hat, flüssigen Schinken im Mund zu haben. Rauchbiere sind nicht immer meine erste Wahl, aber Peat the Scotchman könnte zu einer Ausnahme werden.

Tasting Board im Crafbeer Corner Coeln

Nr. 8, Peat The Scotchman, wird gerade verkostet – Nr. 11 ist ein Double Black IPA

Little Black Dress – Double Black IPA

Das nächste Bier, ein kleines Schwarzes, ist mein bisheriger Favorit. 8,8 % Alkoholgehalt und ein Zwischending zwischen einem IPA und einem Stout, fasst Kevin treffend zusammen. Vier verschiedene Hopfensorten (Summer, Citra, Cascade und Simcoe) geben dem LBD sein IPA-typisches Fruchtaroma. Die stouttypischen Röst- und Kaffeearomen sind Teil des harmonischen Gesamtbildes und stören keineswegs. Double deswegen, weil mehr Malz, mehr Hopfen, mehr Geschmack drin sind. Ein super Craftbeer! Viel mehr gibt es an dieser Stelle nicht zu sagen.

Sgt. Nightvision – Imperial Double Stout

Das Beste kommt bekanntlich zum Schluss. Trifft für den ersten Teil unseres exklusiven Uiltje-Craftbeer-Tastings auch zu. Das Sgt. Nightvision, ein Imperial Double Stout, mit 10,5 % Alkohol, ist unser fünftes Tasting-Bier und genau mein Ding. Blumig, süßlich und fast schon parfumig im Aroma ist dieses tiefschwarze Stout. Auch geschmacklich überzeugt mich das Bier voll und ganz. Den starken Alkohol nimmt man nicht störend wahr. Markanter ist dafür ein holzig-torfiger Geschmack. Kelvin erklärt, dass während der Lagerung Holzchips hinzugefügt werden, um diese Note zu erreichen. Eine gute Alternative zur Holzfassreifung, ergänzt Migge. Die insgesamt fünf veschiedenen verwendeten Malzsorten tragen ihren Teil zu diesem wirklich besonderen Bier bei.

Tasting-Halbzeit

Zeit für ein großes Glas Wasser und Gelegenheit zum Plaudern. Stefanie fragt Kelvin nach dem bisher experimentellsten Bier, das die Uiltjes jemals gebraut haben. Mit einem Grinsen erzählt Kelvin von einem Weihnachtsbier, bei dem ein kompletter Tannenbaum im Braukessel landete. Ergebnis war ein ätherisch schmeckendes Bier, das bei den Leuten durchaus gut angekommen ist. Davon hätten wir auch gerne eine Flasche abbekommen.

Craftbeer Corner Coeln Kelvin und Stefanie

Kelvin und Stefanie plaudern über ihre Lieblingsbiere

Uiltje-Tasting Runde 2

Uiltje Tasting Craftbeer Corner Coeln Runde 2

Uiltje-Tasting im Craftbeer Corner Coeln – Runde 2

Grandma’s Cooking Recipe Vol. 2 – Hoppy Wheat

Mit einem hoppy Wheat beginnt unsere zweite Runde. Mit Lemon Cheesecake beschreibt Migge den Geschmack dieses Craft-Weizenbiers (5,5 %). Ich fühle mich an ein typisch belgisches Witbier erinnert, obwohl kein Koriander verwendet wurde. Kelvin klärt auf: Zitronenschalen und Vanille sind eingebraut worden und lassen das Weizenbier leicht sommerlich-fruchtig schmecken. Ein außergewöhnliches Bier auch für Weizenliebhaber wie Stefanie.

F*ck De Caravan Staat in De Fik – Hoppy Wheat

Heißt soviel wie „Verdammt, der Wohnwagen steht in Flammen“. Das nächste hopfenbetone Weizenbier hat glatte 5 % Alkoholgehalt und spielt bereits mit seinem Namen mit einem Klischee über die Holländer. Die eingebrauten Simcoe- und Mosaic-Hopfen geben dem Bier eine intensive Hopfennote und machen es zu einem perfekten Sommer-Camping-Lagerfeuer-Bier.

FF Lekker Met Je Bek in Het Zonnetje – Session Pale Ale

Als nächstes hat Kelvin ein leichtes Session Pale Ale mit 3,6 % Alkoholgehalt mitgebracht. Charakteristisch für Session-Biere ist der geringe Alkoholgehalt. Die Biere konnten daher früher in der Pause nach der Arbeit getrunken werden. Die Arbeiter waren anschließend noch fit genug für die nächste Schicht oder Session. Dieses Bier ist ein leichtes zitrushopfiges (Citra- und Cascadehopfen) und obergäriges Pale Ale, das gut in der Frühlings- oder Sommersonne getrunken werden kann. Auf der Terrasse, am Strand oder im Bötchen, Hauptsache mal eben mit dem Gesicht im Sönnchen.

Craftbeer Corner Coeln Migge Kelvin

Migge und Kelvin, beiden strahlt die Sonne AUS dem Gesicht

Dikke Lul 3 Bier! – Pale Ale

Die Uiltje-Website bittet alle Nicht-Holländer, gar nicht erst zu versuchen, den Namen dieses Pale Ale zu übersetzen. Er bezieht sich auf einen Haarlemer Redensart. Blöderweise haben wir verpasst, Kelvin danach zu fragen. Vier verschiedene Hopfensorten rücken dieses Pale Ale ganz nah an ein IPA heran. Von Zitrus über Kräuter, Blumen und Orangen reicht das Aroma des Bieres. Das für ein Pale Ale sehr intensive Hopfenaroma stellt das Bier auf Platz 2 meiner Favoriten dieses Tastings.

Dr. Raptor – Imperial IPA

Als letztes Bier des heutigen Tastings ist noch ein Imperial IPA dran. Das 9,2 % starke IPA fährt mit sage und schreibe acht verschiedenen Hopfensorten und vier verschiedenen Malzen auf. Entsprechend komplex sind Aroma und Geschmack. Stefanie fühlt sich durch den Geruch an Brathähnchen erinnert, während Migge Aromen Richtung altem Obst wahrnimmt. Diese Beschreibungen sind aber keineswegs abwertend gemeint. Sie zeigen, wie subjektiv Geschmack und Aroma eines Bieres häufig wahrgenommen werden. Aber das macht es ja gerade spannend. Geschmacklich ist das Dr. Raptor jedenfalls ganze vorne mit dabei.

CraftBeer für wirklich jeden Anlass

Kevin von Uiltje Brewing

Kelvin von Uiltje Brewing, mit über 1,90 m so groß wie die Craftbiere aus Haarlem

Ausgesprochen breit aufgestellt ist die Palette der Bier aus der Uiltje-Brauerei. Über leichte Sommerbiere, Biere fürs Lagerfeuer oder zum Durstlöschen an der Theke, Biere für besondere Anlässe wie runde Geburtstage oder einen Kaminabend – für jeden Anlass findet ihr bei Uiltje das passende Bier. Unser Tasting im Craftbeer Corner Coeln war kurzweilig und spannend, was natürlich an den Bieren, aber auch an der klasse Atmosphäre des Taphouses lag.

Stefanie Lieblingsbier war das Cry Baby Sour. Ich werde auf jeden Fall noch das ein oder andere Sgt. Nightvision trinken. Leider sind die großartigen Uiltje-Biere in Deutschland zur Zeit noch nicht so häufig zu bekommen. Wir hoffen, das wird sich bald ändern. Bis dahin ist es aber zum Glück nicht weit über die Grenze nach Holland oder eben in den Craftbeer Corner Coeln.

Wie schmecken euch die Uiltje-Biere?

Wir freuen uns über eure Eindrücke als Kommentar zu diesem Bericht.

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